Constanze Junghanß

Rollender Botschafter auf der Schiene

Görlitz. Der neue Triebwagen kommt nicht nur im trinationalen Design daher, er ist auch barrierefrei und bereits im Einsatz.
Reisende staunten am Donnerstag nicht schlecht. Von Richtung Gleis 8 schmetterte laut und live Beethovens "Ode an die Freude". Das Quartett der EuropaChorAkademie sorgte für Klänge an der Bahnsteigkante. Und das nicht ohne Grund. Großer Bahnhof im Bahnhof Görlitz sozusagen, verbunden mit der Einfahrt für den neuen Sonderzug "Desiro Classic" mit 124 Sitz- und bis zu 90 Stehplätzen aus dem Hause der Siemens AG, der mit der Anzeige "Euronahverkehr" nach Zittau startete. Eine Premiere auch für Lokführer Tobias Nicht, der seit 14 Jahren für die Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (ODEG) auf dem Schienennetz unterwegs ist. "Das ist heute eine besondere Ehre für mich", sagt Tobias Nicht, kurz bevor die Fahrt beginnt. Vertreter von Politik, Wirtschaft und Presse aus dem Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien steigen in den Triebwagen, der die Blicke auf sich zieht. Denn der kommt in besonderem Design daher gerollt.
Auf dem 69,5-Tonner abgebildet sind großflächig die Länderfahnen und Ausflugsziele in Polen, Tschechien und Deutschland. Auffällig allemal. Das ist so gewollt. Der rollende Botschafter soll die Aufmerksamkeit auf ausgewählte touristische Höhepunkte im Dreiländereck lenken und auch die Bedeutung des grenzüberschreitenden Euronahverkehrs betonen. Im Inneren gibt es Platz für Fahrräder, Kinderwagen und Gepäck. Die Flächen sind barrierefrei, ebenso die Toilette.
Der Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON), der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sowie die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG) weihten den rollenden Botschafter ein, der neugierig auf Ausflugsziele in den Nachbarländern machen soll.
Mit dem Euro-Neisse-Ticket+ sind Ausflüge nicht nur im eigenen Land möglich, sondern auch in Regionen von Polen und Tschechien. Dieses Ticket selbst ist nicht neu, das gibt es bereits seit 20 Jahren.
Langfristiges Ziel ist, das Ineinandergreifen von öffentlichem Personennahverkehr, Euro-Neisse-Ticket+ und Tourismus für die Menschen in der Region weiter zu stärken. "Europa wächst zusammen, insbesondere in grenznahen Regionen spielt die enge Zusammenarbeit der Länder eine entscheidende Rolle", sagte Octavian Ursu, Oberbürgermeister (OB) der Stadt Görlitz, anlässlich der Premierenfahrt. Sein Zittauer Amtskollege, OB Thomas Zenker, sieht in einer verlässlichen Zugverbindung zwischen den Hochschulstädten Zittau und Görlitz "eine große Bedeutung für die Entwicklung des südlichen Landkreises. Eine starke Schienenverbindung ist wichtige und nachhaltige Lebensader für den Pendelverkehr im Berufsalltag wie im Tourismus und notwendige Anbindung unserer Region an die europäischen Fernverkehrsknotenpunkte", so der Zittauer OB.
Das ZVON-Projekt "Euronahverkehr" steht für langjährige Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Vor 30 Jahren gründete sich der Zweckverband in Niesky, erstreckt sich über den östlichen Landkreis Bautzen sowie den Kreis Görlitz und arbeitet auch an der Entwicklung grenzüberschreitender Verkehrsverbindungen.
Der Euronahverkehr-Zug hat bereits regulär den Verkehr auf den Linien RB65 und RB46 aufgenommen. RB65 ist die Linie zwischen Zittau, Görlitz, Weißwasser und Cottbus. RB 46 verkehrt zwischen Forst und Cottbus.




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