Silke Richter

Eine Gemeinschaft, die einen hält

Hoyerswerda. Es ist eine schöne, gemütliche Kaffeerunde an jenem Nachmittag. Die vier anwesenden Frauen vereint eine Geschichte. Karin Hänsch, Daniela Grasemann, Gabriele Pink und Christine Löwenhagen waren Mitglieder der Selbsthilfegruppe »Colitis Ulcerosa / Morbus Chron«, die sich kürzlich aufgelöst hat. Trauer darüber ist aber nicht vordergründig zu spüren, denn die Mitglieder wollen sich auch weiterhin treffen.
Christine Löwenhagen, Gabriele Pink, Karin Hänsch und Daniela Grasemann (v.l.) halten mit den anderen Mitgliedern zusammen und sind froh, dass es ihre Gruppe auch weiterhin geben wird.

Christine Löwenhagen, Gabriele Pink, Karin Hänsch und Daniela Grasemann (v.l.) halten mit den anderen Mitgliedern zusammen und sind froh, dass es ihre Gruppe auch weiterhin geben wird.

Bild: Silke Richter

Aber eben nicht mehr »mit Statut« und einem festen, regelmäßigen Treffpunkt, sondern in loser und lockerer Runde. Karin Hänsch hat dabei nach wie vor bei den organisatorischen Dingen den Hut auf. Eine Aufgabe, die der ehemaligen AOK - Geschäftsstellenleiterin immer noch sehr viel Freude bringt. Das fehlende »bürokratische Korsett« mache zudem zukünftig vieles leichter, ist die Weißkollmerin überzeugt.

„»Unsere Gruppe hatte zum Abschied eine Überraschungsparty für mich vorbereitet. Ich habe mich dankbar, sehr wohl aber auch befreit gefühlt«, berichtet Karin Hänsch, der das Schicksal »ihrer« Selbsthilfegruppe auch zukünftig sehr am Herzen liegt. Die Weißkollmerin hatte vor fast dreißig Jahren auch die Idee für Betroffene eine Gruppe zu gründen und bekam hierbei auch wertvolle Unterstützung von ihrem Ehemann Helmut. Colitis ulcerosa, auch als Morbus Chron bekannt, ist eine chronische Entzündung des Magen-Darm-Traktes die oftmals schubweise verläuft. Eine Diagnose, die auf Grund der Symptome und Folgen auch einsam machen und im Alltag sehr einschränkend sein kann. »Ich war damals selbst betroffen und musste die Erfahrung machen plötzlich chronisch krank zu sein«, berichtet Karin Hänsch die 27 Jahre lang die Selbsthilfegruppe im Haus Bethesda in der Schulstraße leitete. Eine Zeit, in der die Mitglieder nicht nur Erfahrungen austauschten, sondern auch gemeinsame Ausflüge erlebten und Wissenswertes über alternative, natürliche Heilmethoden, gesunde Ernährung, Seminare für Körper und Seele und mehr Informationen über das Krankheitsbild erfahren durften. Karin Hänsch war es dabei wichtig, den Mitgliedern auch ergänzende Alternativen mit auf den Weg zu geben. »Ich glaube es ist nicht gut sich nur auf die Schulmedizin zu verlassen. Es bedarf auch einer guten Selbstreflexion und den Willen etwas verändern zu wollen«, meint Karin Hänsch, die auch Besuche auf Gesundheitsmessen und Vorträge mit Referenten organisierte.

Und Daniela Grasemann fügt treffend hinzu, dass heutzutage leider vielen Menschen der Sinn für das eigene und so wichtige »Bauchgefühl« von der Gesellschaft abtrainiert werde.

Wenn die Mitglieder über »ihre« Karin und ihre geleistete Arbeit sprechen fallen Begriffe wie »sicherer Hafen, unerschütterlicher Anker, Herzenswärme, Organisationstalent, Engagement, kluge Entscheidungen und Sinn für Details.«

»Sie weiß stets, was die Gruppe braucht, um sich weiterzuentwickeln und gleichzeitig innere Ruhe zu finden. Das größte Geschenk, das Karin uns macht, ist ihre Nähe und Präsenz. Sie ist immer da, wenn jemand Rat, Trost oder einfach nur eine helfende Hand braucht«, berichtet Daniela Grasemann stellvertretend für alle Mitglieder.

Gabriele Pink bringt es letztlich auf den Punkt: »Unsere Gruppe ist eine Gemeinschaft die einen hält. Ohne dem würde mir etwas sehr fehlen.«


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