

»Rettungsgeräte« steht an diesem Tag auf dem Lehrplan. Nachdem sie ihr Wissen über die verschiedenen Leitern bei der Feuerwehr aufgefrischt haben, sind die Jugendlichen gerade dabei, das große orangene Rettungskissen aufzubauen, als der Ministerpräsident die Fahrzeughalle betritt - und erst mal warten muss. Denn der Unterricht geht vor.
So lernt auch Dietmar Woidke zunächst, dass man das Sprungkissen immer außer Sichtweite der zu rettenden Person aufbaut und dass es für Sprünge bis aus 16 Metern geeignet ist. Und er kann sich ein Bild davon machen, mit welch großem Interesse die Mädchen und Jungen am Feuerwehrunterricht teilnehmen. Einige haben schon fest vor, später eine Karriere im Rettungswesen anzustreben, erzählt Schulleiterin Berit Kreisig. Und, dass es fast fünf Jahre Vorlauf hat gebraucht hat, um das Wahlpflichtfach an der Europaschule »Marie & Pierre Curie« einzuführen.
Mitte letzten Jahres war die erste Schulstunde. Und weil der Unterricht auch viel Praxisanteil bedeutet, mussten die Teilnehmenden mit entsprechender Schutzkleidung nach Vorschrift ausgestattet werden. Normalerweise beschafft die bei der Jugendfeuerwehr der Träger, also in dem Fall die Stadt Guben. Da die Jugendlichen allerdings offiziell keiner Jugendfeuerwehr angehören und auch nicht alle aus Guben kommen, mussten andere Lösungen her. Der Kreisfeuerwehrverband Spree-Neiße, der auch die ehrenamtlichen Ausbilder stellt, ist in die Bresche gesprungen und hat fast 6.500 Euro vorfinanziert. Aus Lottomitteln hat die Staatskanzlei knapp 5.200 Euro davon gefördert. Und so kann der Ministerpräsident endlich vor angetretener Mannschaft den symbolischen Scheck überreichen: „Es ist wichtig, dass Ihr Euch für dieses Wahlpflichtfach entschieden habt. Natürlich in der Hoffnung, dass Ihr Euch Eurer Ortswehr anschließt, denn Brandenburg braucht dringend junge Kameradinnen und Kameraden.«
Innerhalb von zwei Jahren machen die Jugendlichen im Rahmen des Unterrichts die komplette Feuerwehr-Grundausbildung und sind mit Abschluss vollständig ausgebildete Feuerwehrleute. Doch man lernt auch was fürs Leben, so der Ministerpräsident: »Ihr trainiert, Menschen in Not zu Helfen und das ist gerade in der heutigen Zeit etwas Besonderes.«
20 Schulen in Brandenburg bieten inzwischen das Wahlpflichtfach an. Im Spree-Neiße-Kreis sind es neben Guben die BOS Spremberg und die Gesamtschule des Kreises in Kolkwitz-Hänchen. Mit weiteren Schulen im Kreis laufen bereits Gespräche. Da ist es abzusehen, dass die ehrenamtlichen Kreisausbilder des Kreisfeuerwehrverbandes an ihre Kapazitätsgrenzen kommen.
Der Vorstandsvorsitzende Robert Buder fordert deshalb schon länger hauptamtliche Stellen an den Schulämtern. Der Spree-Neiße-Kreis ist, auch auf Initiative des Verbandes, in Vorleistung gegangen und hat eine Stelle »Koordinator Wahlpflichtfach« geschaffen, die seit Anfang des Jahres besetzt ist und die Ehrenamtlichen entlastet. Eine Investition in die Zukunft. Denn alle Beteiligten hoffen, dass das Wahlfplichtfach im wahrsten Sinne des Wortes ein Zukunftsmodell ist. Oder, um es mit den Worten von Gubens Bürgermeister Fred Mahro zu sagen: »Ich kann nur appellieren: Bleibt der Uniform treu!«