Carmen Schumann

Die Gagarin-Schule verschwindet

Bautzen. Das leerstehende Schulgebäude im Stadtteil Gesundbrunnen weicht einem neuen Wohnareal.

Nur noch ein Teil des Schulgebäudes der Gagarin-Schule im Gesundbrunnen steht noch. Einen Monat nach Beginn der Abrissarbeiten sind schon große Teile verschwunden. Zunächst war das Gebäude entkernt und verschiedene Bauteile gut sortiert abgelagert worden. Asbest wurde zum Glück nicht gefunden.

Drei Wochen soll der Abriss noch dauern. Anschließend wird an der Tiefenentkernung gearbeitet. Insgesamt wird es wohl noch etwa zwei Monate dauern, bis hier Baufreiheit geschaffen ist.

 

Stadt schafft Platz für neuen Wohnstandort

Die Stadt Bautzen, die kürzlich Journalisten zur Besichtigung eingeladen hatte, möchte hier zusammen mit benachbarten Arealen einen Wohnstandort auf sechs Hektar Fläche entwickeln. Das Schulgelände umfasst etwa 2,2 Hektar. Dazu ist allerdings noch ein Lärmschutzgutachten erforderlich. Denn die Autobahn ist - unüberhörbar - ganz nah.

Eingeladen hatte die Stadt auch den ehemaligen Schüler Jens Zuschke. Er ist einerseits traurig, dass seine frühere Schule vor seinen Augen verschwindet. Andererseits ist er als Immobilienmakler froh, dass eine Fläche für Wohnbebauung geschaffen wird. Denn man habe wenig bis nichts anzubieten an bebaubaren Flächen in Bautzen. Jens Zuschke hat die Schule von 1984 bis 1992 besucht, also bis zur 8. Klasse. Seine damalige Lehrerin, Eva-Maria Weber, ist auch gekommen. Sie sagt ohne Wehmut, es verschwinde ja nur die äußere Hülle. Das Leben habe sich im Inneren der Schule abgespielt und diese Erinnerung könne ihr niemand nehmen. Sie hat nach der Auflösung der Gagarin-Schule bis zur Rente in der Grundschule Sohland gearbeitet.

 

Schule diente zuletzt nur noch als Ausweichobjekt

Die Gagarin-Schule war 1999/2000 aufgelöst worden, die Schüler wechselten zur Curie-Grundschule. Ab 2002 diente die Gagarin-Schule als Schule zur Lernförderung, die dann auf den Schützenplatz wechselte. Danach wurde sie nur noch als Ausweichobjekt genutzt, zunächst während der Sanierung der Curie-Grundschule, später bei der Sanierung der Fichte-Grundschule. Danach lag sie brach. Es gab Vandalismus und kleinere Brände.

Genau vor zwei Jahren, am 31. März 2023, wurde bereits das vom 2019 verstorbenen Bautzener Ehrenbürger Jan Buck geschaffene Buntglasfester ausgebaut. Es wartet seither im Depot des Museums auf seine weitere Verwendung.

Der Abriss der Schule, für den die Firma Klixer Recycling verantwortlich zeichnet, kostet etwa eine halbe Million Euro.


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