

nB-Intendant inszeniert Musical "Der kleine Horrorladen"
Daniel Ris hat in drei Jahren seines Hierseins aus der neuen Bühne Senftenberg eine wahre Hochburg des Musicals gemacht. Nach "Cabaret" und "Hair" ist nun "Der kleine Horrorladen" aktuell. Eine geheimnisvolle Geschichte, die im heruntergekommenen Blumenladen des Armenviertels einer amerikanischen Kleinstadt spielt. Sein Inhaber Mr. Mushnik ist schier verzweifelt, weil die Kunden ausbleiben. Sein glückloser Angestellter Seymour, bei seiner hübschen Kollegin Audrey abgeblitzt, will schon die Flocke machen, da ersteht er durch Zufall eine merkwürdige, offensichtlich vernunftbegabte Pflanze. Die kann sogar sprechen und ihre Nahrung - keinesfalls vegetarisch - selbst auswählen und knallhart fordern, sie kann schmeicheln, drohen und erpressen. Dieses botanische Wunder, Audrey Zwei genannt, bringt Schwung in den Laden. Seymour wird zum Helden und kommt seiner Audrey näher, die sich von ihrem übergriffigen Freund, einem zynischen Zahnarzt, löst. Einheimische und Touristen stürmen das Geschäft geradezu. Aber die Pflanze wächst und wächst und hat immer größeren Hunger und Appetit. Weil Audrey Zwei ganz auf Menschenfleisch steht, räumt sie den ganzen Blumenladen ab.
Das ist Utopie oder besser gesagt, eine Dystopie. Wie man diese Geschichte komödiantisch optimal nutzt, das weiß Ris - genauso, wo die Stärken seiner singenden Schauspieler liegen. So lässt er mit seinem Inszenierungsteam auf der Bühne eine Welt entstehen, die Staunen macht. Die glitzernden Kostüme von Gabriele Kortmann und das Bühnenbild von Steven Koop lassen einen in eine bunte, abenteuerliche Science-Fiction eintauchen. Eine fünfköpfige Band sorgt auf gehobenen Posten für den guten Ton des Abends. Ein charmantes Damen-Trio begleitet das Geschehen als kleiner Chor.
In diesem Fluidum fühlen sich die Spielenden und Singenden sichtlich wohl. Und die Zuschauenden dazu. Sie erfreuen sich an dem Große-Bühne-Debüt des jungen Richard Fuchs, der schon in der Friedrich-Hollaender-Revue "Tingel-Tangel" die neue Bar verzaubert hat. Nun ist er ein glaubhaft suchender, wunderbarer Seymour. Ein Mann mit Zukunft. Neben ihm spielt Lene Juretzka die liebenswert naive Audrey. Erstaunlich einmal mehr die Wandlungsfähigkeit des Matthias Manz in Gestalt, Stimme, Haltung, Bewegung. Im Sport wäre er der ideale Mehrkämpfer. Die Pflanze, vom Puppenspieler Colin Danderski belebt, trägt Manz' Stimme. Seine ganze komische Darstellungskraft kann Leon Haller ins Spiel bringen. Mirko Warnatz ist als Mr. Mushnik ein Geschäftsmann durch und durch, eine schöne Charakterstudie.
Und die Pflanze frisst und frisst. Gut, dass das Spiel nach zwei Stunden zu Ende ist. Nach drei wäre sie so groß wie das Theater. Und wüchse weiter. Man kennt sie ja, diese unersättlichen Typen, deren Endziel es ist, sich die Welt untertan zu machen.
Info
Nächste Vorstellungen: 6., 12., 17. und 19. April.