

Nach sechs Jahren nun veröffentlichte die Cottbuser Sängerin Clara Werden ihre zweite CD. Musikalisch hat die Cottbuser Singer-Songwriterin damit einen großen Sprung gemacht. Denn im Unterschied zu ihren bisherigen Veröffentlichungen, die autark digital entstanden, ist "So sieht's aus" mit einer Liveband eingespielt und von Produzenten-Legende Andreas Bicking (u.a. Manfred Krug, Veronika Fischer, Uschi Brüning) in Form gebracht worden. Die Songs gewinnen dadurch eine Leichtigkeit, die hilft, sich den sehr persönlich formulierten Texten von Clara zu nähern. Dabei wälzt sie kein schweres Gedankengut, gibt jedoch preis, was sie beschäftigt. Was dann auch mal schwergewichtig sein kann. Wohltuend, dass sie dabei allerdings niemanden belehrt, sondern sich einfach nur mitteilt. Man muss ihren Gedanken nicht in immer folgen wollen, aber man kann in jedem Fall ihre Offenheit mögen. Sie nimmt Stellung - ohne zu polarisieren. Sie lässt - vermeintlich - viel von sich "gucken", zwingt aber keinen, sich darauf einzulassen. Die Lieder scheinen eine echte Momentaufnahme ihrer selbst sein. Clara stellt Fragen, im Wissen, dass es nicht auf alles eine Antwort gibt. Sie offenbart Selbstzweifel, aber auch ihr Ringen um Hoffnung. Naiv? Wenn, was wäre daran das Problem? "So sieht's aus" bei Clara.
Ver-, statt langweilen
Bei den Songs kann man verweilen, ohne sich zu langweilen. Ihre Schlagervergangenheit ist auf angenehme Weise hintergründig zu spüren. Ihre "Botschaften" lassen jede rechthaberische Intellektualität, wie sie manchmal bei Liedermachern aufstößt, vermissen.
Das Album erinnert an Udo Jürgens "at his best" in den 70er-Jahren, an Reinhard Mey, Volker Lechtenbrink, musikalisch auch an Götz Alsmann oder die verpoppten Remixe von Max-Raabe-Songs, aber auch an Peter Maffay, wenn er balladesk daherkommt. Die Glaubwürdigkeit teilt sie mit Kerstin Ott.
Galeriekonzert zu CD-Veröffentlichung
Am Freitag, 25. April, 20 Uhr, findet das offizielle CD-Release-Konzert in Claras Galeriebühne in der Cottbuser Parzellenstraße 28 statt. Der Eintritt kostet 15 Euro. Wer die Gelegenheit nutzen möchte, Clara mit ihren neuen Liedern ganz nah und direkt in familiärer Atmosphäre zu erleben, sollte unbedingt reservieren unter kontakt@clara-werden.de.
Die Musik findet man unter Clara Werden auf allen gängigen Streamingportalen.
Meine Liebe zu mir ist nicht groß, ich lieb mich nicht wie dich bedingungslos.
Anders sein, lass uns anders sein - Ich lass mich drauf ein, seltsam zu sein …
Anders als du, anders als er, anders als ich. Warum muss man darüber diskutier`n?
Wir sind im Krieg mit unserer inneren Stimme.
Welcher Krieg führt uns zu einem Sieg? Durch den am Ende jeder sich selbst und den anderen liebt.
Die giftigen Pfeile, die du schießt, sind nur die Schmerzen, die du in dir spürst.
Bist du für dich da, bist du nicht allein.
… mein Herz folgt keinem Aufruf zur Demonstration.
Meine Politik ist die Musik - Leg die Liebe nicht aufs Eis.
Beim Annehmen statt ihn abzulehnen fängt das Prinzip der Liebe an.
Musik erschaffen und in die Welt hinaus singen
Deine bisherigen Alben wurden digital arrangiert. Nun hast du dich von Musikern begleiten lassen und das aktuelle Album live eingespielt.
Eine wunderbare Erfahrung! Mein Produzent, Andreas Bicking, ist nicht nur ein erfahrener Produzent, sondern auch ein großartiger Musiker. Seine bevorzugte Arbeitsweise ist es, alle Musiker in seinem Studio zu versammeln, gemeinsam zu musizieren und dabei alles aufzunehmen. Damit ging für mich ein kleiner Traum in Erfüllung: dass meine Musik ganz "echt" klingt - sowohl in dem, was die Musik hergibt, als auch in dem, was ich selbst in die Songs hineingebe.
Wie war die Zusammenarbeit?
Super spannend. Andreas ist ein Profi, ich konnte sehr viel von ihm lernen. Den gesamten Prozess zu erleben - vom Arrangieren bis zu den Aufnahmen - war faszinierend und hat eine besondere Verbundenheit geschaffen.
Zu Beginn haben wir gemeinsam überlegt, welchen Rhythmus jeder einzelne Song haben soll, Tempi und Tonlagen angepasst, die Instrumentierung festgelegt, Ideen gesponnen und wieder verworfen. Obwohl die Songs von mir bereits fertig geschrieben waren, gab es noch einen kreativen Prozess, in dem sich jedes Lied weiterentwickelte. Ich hatte zu jeder Zeit das Gefühl, dass Andreas aus jedem Song etwas Besonderes machen wollte - und das hat er geschafft.
Kann man dich mit der Band in diesem Jahr live erleben?
Die Band auf dem Album besteht aus professionellen Studiomusikern, die jedoch nicht meine feste Band ist. Das bedeutet aber nicht, dass ein Konzert in diesem Format nicht stattfinden könnte. Ich denke darüber nach.
Üblich ist es, sich ein Label zu suchen, um dort zu veröffentlichen und vermarkten zu lassen. Stattdessen hast du eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die Produktion der CDs zu finanzieren.
Ein Label zu suchen ist das Eine, ein passendes zu finden das Andere. Mit einem Plattenlabel hat man gewisse Pflichten und Vorteile - man muss gut überlegen, was man möchte und was nicht. Ich hatte mich bereits bei der Arbeit an meinem vorherigen Album entschieden, mein eigenes Label "Clara Sound" zu gründen, um meine Musik unabhängig zu rauszubringen. Das bedeutet auch, dass ich mich selbst um Vermarktung und Finanzierung kümmere. Deshalb habe ich die Hauptkosten für dieses Album selbst getragen.
Deine Karriere war jahrelang durch das Image einer Schlagersängerin geprägt, die meist Klassiker coverte. Davon konntest du gut leben. Doch vor einigen Jahren hast du dich grundlegend verändert. Ein mutiger Schritt. Seitdem heißt du als Künstlerin nicht mehr Kathrin Jantke, sondern Clara Werden, und setzt ausschließlich auf Eigenständigkeit. Du schreibst deine Lieder selbst. Inhaltlich und musikalisch sitzt du nun "zwischen den Stühlen" - beeinflusst von Chanson, deutscher Liedermacherei, Pop und, ja, nach wie vor auch Schlagern. Macht es das nicht schwer, Hörer zu erreichen? Man kann dich schwer einordnen.
Ja, das ist manchmal ein Problem. Doch meist nur für diejenigen, die unbedingt eine Schublade brauchen - und für Marketingaktionen, denn die brauchen definierte Zielgruppen. Nicht aber für diejenigen, die einfach nur zuhören und nach Gefühl entscheiden, ob ihnen meine Musik gefällt und etwas gibt.
Ich werde oft nach dem bewertet, was ich früher war. Das ist okay. Es liegt an jedem Einzelnen, ob er Lust hat, mich und meine Musik neu zu entdecken. Ich möchte niemanden überzeugen, dass das, was ich mache, kein Schlager ist. Seit ich die Musik mache, die absolut meinem Gefühl entspricht, wird es mir immer unwichtiger, wie andere meinen Stil benennen. Es ist, was es ist - es berührt oder eben nicht. Und ich erfahre, dass es Menschen gibt, die sich mit meinen Liedern identifizieren können - auch wenn es nicht die breite Masse ist.
Was treibt dich noch an?
Zum einen die innere Klarheit, die entsteht, wenn ich meine Gefühle und Gedanken aufschreibe. Die Zufriedenheit, wenn ich eine Melodie gefunden habe, die aus dem Inhalt ein Lied macht und das Glücksgefühl, wenn das Arrangement dem Song den letzten Schliff verliehen hat.
Und was danach passiert - wenn ich auf der Bühne singe und Menschen mir danach berichten, was es mit ihnen gemacht hat.
Mich treibt das stimmige Gefühl an, dass ich genau das tue, was ich kann und was mich glücklich macht: Musik erschaffen und in die Welt hinaus singen.