Landkreis und BASF gedachten der Opfer des Holocaust
Um gemeinsam an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern, lud der Landkreis Oberspreewald-Lausitz (OSL) zu einer Gedenkveranstaltung auf den Gedenkplatz an der Schipkauer Straße in Schwarzheide, gegenüber der Hauptverwaltung der BASF Schwarzheide, ein. Das teilt Sarah Werner, Sprecherin des Landkreises OSL mit. An der Veranstaltung nahmen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Mitarbeitende und Auszubildende der Kreisverwaltung und der BASF Schwarzheide GmbH teil. Mehr Gäste als in den Vorjahren fanden sich zum gemeinsamen Gedenken ein. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier von den Schwarzheider Musikanten.
In diesem Jahr nahmen die Auszubildenden der BASF die anwesenden Teilnehmenden bei der Gedenkveranstaltung mit auf eine Zeitreise. Die Auszubildenden der BASF setzen sich mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte auseinander und gestalten die Erinnerungskultur aktiv mit. Bei der Gedenkveranstaltung legten sie einen Kranz nieder und stellten Biografien von Häftlingen des ehemaligen Außenlagers Schwarzheide des KZ Sachsenhausen vor.
Die Auszubildenden erinnerten an Heinz Hesdörffer und Jiri Franek, zwei jüdische Häftlinge, die aus Auschwitz zur Zwangsarbeit nach Schwarzheide kamen und überlebten. Zwei von rund 1000 Häftlingen, die ab Juli 1944 im damaligen BRABAG-Werk in Schwarzheide unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten. Die meisten überlebten nicht. Arbeitsunfähige Häftlinge wurden als wertlos abtransportiert und durch neue Arbeitskräfte aus den Vernichtungslagern, vor allem aus Auschwitz, ersetzt. Die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit ist Teil eines Projekts für die Auszubildenden der BASF-Schwarzheide GmbH. Dazu gehören unter anderem Besuche und Workshops in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen und die Pflege der Erinnerungskultur am BASF-Standort Schwarzheide. Erst im vergangenen Sommer gestalteten die Auszubildenden eine neue Gedenktafel am ehemaligen Außenlager und weihten sie mit einer Gedenkveranstaltung ein. Zur Geschichte des heutigen Produktionsstandortes informiert zudem auch das werkseigene und öffentlich zugängliche Museum des Chemiestandortes.
Landrat Siegurd Heinze anlässlich des diesjährigen Holocaust-Gedenktages: »Heinz Hesdörffer und Jiri Franek sind zwei Männer, die an diesem Ort, an dem wir heute stehen und der Opfer gedenken, Zwangsarbeit geleistet haben. Sie geben den Opfern der damaligen Gräueltaten einen Namen. Und die Unmenschlichkeit wird auch nach 80 Jahren nicht kleiner. Wenn ich heute Mahnungen lese wie den der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer: ›Ich sage, seid Menschen. Wir sind alle gleich. Es gibt kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Alles ist gleich.‹, dann stockt mir der Atem. Sie ist eine der Letzten, die den Opfern noch eine Stimme geben kann. Angesichts der Tatsache, dass viele der Opfer und damit Zeitzeugen nicht mehr leben und nicht mehr selbst über das sprechen können, was ihnen angetan wurde, sage ich: Es ist unser aller Pflicht, die Erinnerung an das Grauen wach zu halten und an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Ein Vergessen darf es nie geben, einen Missbrauch der Erinnerungen ebenso wenig.«
Mit einer Gedenkstunde erinnert der Deutsche Bundestag am Mittwoch, 29. Januar 2025, an die Opfer des Nationalsozialismus. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas eröffnet die Gedenkstunde um 12 Uhr mit einer Ansprache. Im Anschluss werden Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier sowie der Holocaust-Überlebende Roman Schwarzman zwei Reden halten. Die Gedenkstunde wird unter anderem live unter www.bundestag.de übertragen.
Weitergehende Informationen zum Thema Krieg und Holocaust finden sich unter anderem auf der Internetseite der Bundeszentrale für Politische Bildung: www.bpb.de/themen/geschichte/