Klaus Wilke

Männlich, zwischen 20 und 30, sportlicher Typ

Neuer Schweden-Krimi von Agneta Sjöberg: Dunkle Schatten über Småland
Agneta Sjöberg: Dunkle Schatten über Småland. Gmeiner Verlag. 376 Seiten. 15 EUR.

Agneta Sjöberg: Dunkle Schatten über Småland. Gmeiner Verlag. 376 Seiten. 15 EUR.

Bild: Verlag

Mann, macht die's spannend: Agneta Sjöberg in ihrem zweiten Schweden-Krimi "Dunkle Schatten über Småland"! Aller Aufbau von Gewohnheitskrimis wird von ihr unterlaufen. Vielleicht nicht Jedermanns Geschmack, mancher will gleich mittendrin sein, mindestens das Opfer und die Ermittler kennen. Bleibt dann nur die Suche nach dem Täter.
Anders in diesem Krimi, der mit einem Prolog einsetzt, in dem "jemand" eines "anderen" Tod herbeigeführt hat. Im ersten Kapitel beobachtet eine "Gestalt" die Neuankömmlinge in einem Ferienhaus. Langsamen Schrittes nähert sich die Autorin und mit ihr der Leser einem von vielen Opfern: Ausgerechnet im Sandkasten des Ferienhauses wird von den Kindern der neuen Gäste ein Knochen gefunden. Der Vater, ein Paläontologe, identifiziert ihn sofort als Menschenknochen. Als in der Umgebung weitere Knochen gefunden und der erste sich als Oberschenkelknochen des 24-jährigen Bo Bengtsson erweist, der unter schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen ist und schließlich von zu Hause verschwunden ist, suchen die Ermittler, Luna Bofink und Alban Larsson, nach weiteren vermissten Personen; denn die Knochenfunde stammen von unterschiedlichen Körpern. Sie weisen eigenartige Schabespuren auf, die an Kannibalismus denken lassen. Außerdem gibt es Anlass zur Fahndung nach Personen, "männlich, zwischen 20 und 30, sportlicher Typ", alle sind Einzelkinder und ausgebüxt.
Führt die Spur etwa in die Gruppe der "Riktige Varulvar" (Echte Werwölfe)? Menschenfleisch ist für Werwölfe eine Delikatesse, und neulich feierten sie lautstark eine Grillparty. Oder welche Rolle spielt Peer, der in einer Müllverbrennungsanlage arbeitet, Knochen sammelt und bei dem man die dazugehörigen Schädel findet? Er gibt sich unschuldig und geriert sich als außergewöhnlicher bildender Künstler.
Tratsch und Klatsch der Dorfgemeinschaft lassen noch andere, oft wagehaltige Vermutungen in die Höhe schießen. Die Autorin lenkt viel Augenmerk auf das soziale Miteinander und widmet sich bei den Opfern, Ermittlern und auch bei tatverdächtigen Personen besonders Problemen des Familienlebens im "Schwedischen Modell" des Wohlfahrtsstaates.
"Luna Bofink und Alban Larsson lösen diesen Fall letzten Endes, und werden dies, so kompliziert und gefährlich es werden mag, auch mit weiteren Fällen tun." Das stand im Mai-Hermann von 2024 nach Erscheinen des ersten Sjöberg-Krimis, und so ist es geschehen.
Übrigens: Wer bei der Krimi-Lektüre feststellt, dass Bofink und Larsson so reden und handeln wie die Cottbuser Krimi-Polizisten um Peter Nachtigall, zeichnet sich durch Lese-Aufmerksamkeit aus und hat recht: Agneta Sjöberg lebt in Cottbus und heißt: Franziska Steinhauer.
Klaus Wilke

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