

Zunächst muss allen Miesmachern entgegnet werden, dass schon allein der Gewinn einer Medaille, egal ob Gold, Silber oder Bronze, erkämpft bei den Olympischen oder den Paralympischen Spielen, ein Riesenerfolg für den jeweiligen Sportler, dessen Trainer und den Heimatverein ist. Darum darf man in größter Hochachtung die Bilanz der Sportlerinnen und Sportler des Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein e. V. "BPRSV" bilanzieren. Auch wenn die Bilanz von fünf in Paris erkämpften Edelmetalls sich im Vergleich zu Tokio halbiert hat.
"Für uns war es absehbar, dass das Tokio-Ergebnis nicht zu toppen ist. Denn wir konnten ja aufgrund der so wahnsinnig hoch angesetzten Qualifizierungsnormen und der geringeren zugelassenen Starterzahl längst nicht so viele unserer Sportler entsenden. Natürlich waren wir dann aber ganz besonders stolz, dass unser Josia Topf aus dem Becken der Paris La Défense Arena den kompletten Medaillensatz fischen konnte. Und ich möchte natürlich auch anfügen, dass es neben Gold und Bronze von Maike Hausberger eine ganze Reihe von vorderen Platzierungen gab, denn allein fünfmal sind unsere Damen und Herren auf dem undankbaren vierten Platz gelandet", erklärt der Verantwortliche für den Behindertensport, Ralf Paulo.
Der zwar langfristig bereits auf die nächsten Spiele 2028 in Los Angeles denkt, sich aber völlig einverstanden damit zeigte, dass sich Speerwerferin Frances Herrmann nach der Heimkehr aus Paris eine recht lange Auszeit genommen hat: "Frances ist ja nicht nur Sportlerin. Sie ist berufstätig und hat einen kleinen Sohn. Um dem kleinen Henry endlich deutlich mehr Zeit zu widmen hat sie pausiert, ist auf Kreuzfahrt gegangen und hat erst einmal den Speer nicht angeguckt. Inzwischen ist sie wieder voll dabei und hat die Reise zu den Paralympics in Kalifornien im Visier", so Ralf Paulo
Mit Mathias Schulze hat es einen Athleten des BPRSV gegeben, dessen Weg im Vorjahr nicht nach Paris führte. Gern hätte der Inklusionssportberater für Paralympischen Sport am Schulamt Cottbus nach London 2012, Rio 2016 und Tokio 2020 seine vierten Spiele erlebt, doch scheiterte der 41-Jährige wie viele Leidensgenossen an der hoch angesetzten Qualifizierungsnorm. Die Zukunft von Mathias Schulze, der jetzt von Jahr zu Jahr über seine weitere Karriere als Sportler entscheiden möchte und L.A. 2028 noch lange nicht abgeschrieben hat, sieht Ralf Paulo in der Zukunft indessen in der Tätigkeit als Wurftrainer.
Schaut man auf die Liste der Leistungsträger im Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein, kommt man an der "Grand Dame", Martina Willing, nicht vorbei. Die 65-Jährige hat zwischen 1992 und 2016 in London 14 Medaillen beim Speerwurf oder Kugelstoßen gewonnen. Die blinde Sportlerin, die inzwischen nahe an ihren Trainingsstätten in Cottbus wohnt, hatte zwar im letzten Sommer vor der Abreise nach Paris zu Protokoll gegeben, nun zu ihren unwiderruflich letzten Paralympischen Spielen aufzubrechen. Doch wer die Legende des Deutschen Behindertensports dieser Tage beim Training beobachtetet, mag nicht glauben, dass die damaligen Worte noch heute ihre Gültigkeit besitzen.